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Konzeption der Förderschule des Kreises Viersen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung in Anlehnung an das Schulprogramm

Grundlage
In den Richtlinien der Schule für Erziehungshilfe (Sonderschule), NW 1978, S.7, heißt es:

„Die Rückführung der Schüler in die allgemeine Schule ist ein vorrangiges Ziel der Schule für Erziehungshilfe. Die Schule für Erziehungshilfe versteht sich deshalb als Durchgangsschule“.

„Ziel der sonderpädagogischen Förderung ist die Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen. Sie sollen nach Möglichkeit an eine Grund- oder Hauptschule zurückkehren. Dies kann zunächst probeweise für ein halbes Jahr erfolgen.“ (Bildungsportal NRW)

Die FES des Kreises Viersen versteht sich als Durchgangsschule. Der Auftrag beinhaltet somit, möglichst eine Aussonderung aus den Regelschulen (Primarstufe und Sekundarstufe I) zu vermeiden und eine hochgradig frühzeitige Re-Integration zu erreichen.

Auf Grund der nun fast 30-jährigen Integrationsbemühungen verfügt die FES über ein eingespieltes Netzwerk zur sonderpädagogischen Förderung verhaltensauffälliger Schüler/innen im Kreis Viersen und arbeitet hier überaus erfolgreich (s. Anlage 3).

Schüler
Die Schüler und Schülerinnen sind mit ihrem Verhalten in der Regelschule aufgefallen. Sie haben Schwierigkeiten tragfähige Beziehungen ein zu gehen, sie ecken oft an, es fällt ihnen schwer sich an schulische Regeln zu halten. Oft haben sie verlernt zu lernen, große Leistungsrückstände und kein Vertrauen mehr in ihre eigene Leistung. Sie brauchen Hilfe und Unterstützung um in ihren sozialen Umfeldern zurecht zu kommen und um wieder Mut zum Lernen zu finden, ihre Stärken zu entdecken und sich etwas zu zu trauen.

Zielsetzung im Schulprogramm:

Re-Integration
Gemäß des Auftrages als Durchgangsschule liegt das Hauptziel auf der Re- Integration
•  soviel wie möglich integrieren, so wenig wie möglich separieren
•  das schulische Umfeld integrationsfähig machen

Re-Integration soll erreicht werden über:

Kooperation aller am Erziehungsprozess beteiligten Personen

Beratung
•  Beratung erfolgt für alle am Erziehungsprozess Beteiligten (Schule, Familie, Heim- und Wohngruppen).
•  durch Beratung wird eine größere Sensibilisierung für Probleme und Konflikte erreicht und zu einem anderen Denken und Handeln mit „unseren“ Kindern und Jugendlichen angeregt
•  systemisch orientiertes Arbeiten in der Integration verlangt, dass der Berater im Außen bleibt, nicht zum zu beratenden System gehört

Systemisches Arbeiten
Ziel des systemischen Ansatzes ist das Erkennen und Offenlegen der Bedingungsvariablen für auffälliges Verhalten. Mit Hilfe der systemischen Betrachtungsweise sollen in der Beratung möglichst viele Einflussfaktoren geklärt werden. Charakteristisch ist die Abkehr von der defizitären Sicht mit Schwerpunktverlagerung auf (positive) Ressourcen und Stärken der Interaktionspartner (Schüler, Eltern, Lehrer).

Beziehungsarbeit ( Schule für Be ziehungshilfe )
Verhaltensauffälligkeit hat immer zu tun mit einer „Störung“ in Beziehungen, somit:
•  den anderen in seinem So-Sein annehmen,
•  seine Motive verstehen lernen (u.a. systemischer Ansatz) und
•  eine persönliche Bindung und Vertrauensbasis herstellen.

Arbeiten mit den Stärken
•  eigene Stärken gezielt nutzen
•  Stärken der Schüler erkennen und nutzen
•  Stärken der Kooperationspartner erkennen und nutzen
•  Stärken der Familiensysteme erkennen und nutzen.

Konsequenz: Größtmögliche Vielfalt bei Problemlösungen!

Grenzziehung
•  Null Toleranz bei Personen- und Sachschäden
•  Klares Aufzeigen von Grenzen
•  Vermittlung von Werten
•  Erfahren von Konsequenz
•  Wiedergutmachung

Das Konzept der FES des Kreises Viersen steht auf vier Säulen:
•  dem Stufenkonzept zur sonderpädagogischen Förderung verhaltensauffälliger
Schüler und Schülerinnen
•  der dezentralen Organisationsstruktur verbunden mit Teamarbeit
•  der systemischen Sicht von Verhaltensauffälligkeit, beinhaltend Hinwendung zu den Stärken der Schüler und Schülerinnen, Abkehr vom Defizit, sowie systemisch orientierte Beratung aller am Erziehungs- und Bildungsprozess Beteiligten
•  einer engen Verzahnung mit dem GU der Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (GU-ES)

Stufenkonzept:

Stufe 1: „Liebe auf Vorschuss“ (Stammschule)

Stufe 2: „Personengebundenes Lernen und Leisten“ (Stammschule)

Stufe 3/4: „Eigenverantwortliches Handeln und Leisten in der Integration“

 

Probeweise Teilnahme am Unterricht (pTU) innerhalb der FES:
•  für Schüler, die emotional und sozial soweit stabilisiert sind, dass sie am Unterricht einer größeren Lerngruppe teilnehmen können, wird sukzessive eine Reintegration in möglichst kleinen Schritten angebahnt. Für eine halbes Jahr nehmen sie probeweise am Unterricht der Regelschule teil, der notwendige Förderbedarf wird innerhalb der FES individuell bereitgestellt.
•  Nach dem halben Jahr wird abschließend über den Förderort entschieden.

GU-ES (Gemeinsamer Unterricht Förderschwerpunkt emotional-sozial)
Schüler deren sonderpädagogischer Förderbedarf an der Regelschule erfüllt werden kann, werden im Rahmen des GU-ES sonderpädagogisch gefördert, sie werden Schüler der allgemeinen Schule, die Sonderschulkollegen werden hierzu abgeordnet. Der sonderpädagogische Förderbedarf wird im dialogischen Verfahren mit den Kollegen der allgemeinen Schule bestimmt.

Dezentrale Organisationsstruktur (Zentrale + 3 Sonderschulklassen)
und deren Grundannahmen (s.a. Anlage 2)

•  wohnortnahe Beschulung im Sinne der Integration, Verbleib im sozialen Umfeld, kurze Fahrzeiten, geringe Fahrkosten,
•  Vermeidung von Kumulation problematischer Kinder und Jugendlicher, keine Ghettos, Effektivitätssteigerung, Qualitätssicherung über kleine Einheiten
•  In kleineren Einheiten intensivere Förderung, hierdurch Verkürzung der Verweildauer innerhalb der FES, frühzeitige Reintegration
•  bessere Anbindung für Teilintegration und Rückschulung, räumliche Nähe zu Kooperationspartnern
•  Arbeit in kleinen Teams mit der Gewähr eines intensiveren Austausches
•  Teilautonomie der einzelnen Teams im Sinne höherer Effektivität und ständiger Kompetenz- und Qualifikationserweiterung der Gruppe und der Kollegen
•  Förderung und Verpflichtung der Übernahme von Verantwortlichkeit jedes Einzelnen
•  intensivere und beständigere Zusammenarbeit mit Personen verschiedener Einrichtungen (z.B. Jugendamt, Kinderheime, Wohngruppen, Partnerschulen) innerhalb eines kleinen Bezirks

wenig Stammschüler - kurze Verweildauer - Reintrigation - mehr Lehrer in der Kooperation -

Leitungs-, Organisationsstruktur der FES des Kreises Viersen